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"Souverän kommunizieren - Distanzen überwinden"

„Die Briten” – Rituale, Traditionen und Freiheit

Rituale und Kleiderordnung in GroßbritannienDas Brexit-Votum hat dieses Jahr wieder einmal den Blick auf die Briten gelenkt. Warum wollen sie nicht in der EU bleiben? Warum gehen sie immer Sonderwege in Europa? Einige Gründe, die zum Votum führten, können Sie hier lesen: Handelsblatt-Artikel zum Brexit.

Doch darum soll es in diesem Blogbeitrag nicht gehen. Dass ein Brexit überhaupt möglich war, untermauert allerdings, wie wichtig die kulturelle Identität für viele Menschen ist und dass kulturelle Unterschiede trotz der EU und trotz der Globalisierung bestehen bleiben und nicht unter den Teppich gekehrt werden sollten.

Einige sogenannte britische Kulturstandards und Eigenheiten habe ich ja schon in vergangenen Blog-Beiträgen behandelt. Heute möchte ich zwei weitere britische Kulturstandards vorstellen und diese mit der deutschen Kultur vergleichen. Haben Sie oft mit Briten zu tun oder sind einfach neugierig?

1. Ritualisierung

In Großbritannien gibt es viele Rituale, die sich durch die Gesellschaft ziehen. Das sind zum Beispiel Höflichkeitsrituale wie die ständigen Entschuldigungen („Sorry“), oder das Türaufhalten, Schuluniformen als auch eine striktere Kleiderordnung im Beruf als wir es aus Deutschland kennen. Diese Rituale haben natürlich etwas mit den Traditionen zu tun und sichern das Zusammenleben einer Gesellschaft ohne schriftliche Verfassung. Die britische Krone und die damit verbundenen Symbole und Rituale dienen somit auch als eine arte „virtuelle Verfassung“.

All dies steht im Gegensatz zur deutschen Sachlichkeit, bei der Rituale und Höflichkeit eher in den Hintergrund treten. Schließlich geht es um die Sache und hier gehören alle nackten Fakten auf den Tisch – ohne Schnickschnack und unabhängig von persönlichen Befindlichkeiten. Außerdem konnten sich nationale Rituale durch die föderale Struktur der Bundesrepublik und die vielen Brüche in der Geschichte auch nicht so stark herausbilden wie in Großbritannien.

Diese vielen britischen Rituale zusammen mit dem Ideal der Höflichkeit und Selbstdisziplin lassen aber auch eine Menge Druck entstehen. In einer meiner Trainingssimulationen meinte einmal ein Deutscher, der geradezu perfekt einen „typischen“ Engländer bei einer Verhandlung simulierte: „Mensch, ist das anstrengend! Heute ist mir so einiges klar geworden, warum sie dann manchmal so ganz anders sind.“ Gemeint hat er damit einen anderen britischen Kulturstandard, nämlich die ritualisierte Regelverletzung.

2. Ritualisierte Regelverletzung

Wenn man als guter Brite immer zuvorkommend und höflich bleiben sollte und seine negativen Gefühle wie z um Beispiel Ärger und Wut kaum rauslassen darf (siehe Kulturstandard Selbstdiziplin), dann benötigt man auch irgendwann ein Ventil, um sozusagen Luft abzulassen. Ein solches Ventil entsteht durch das geradezu rituelle Verletzten der strengen Regeln in der britischen Kultur. Das geht zum Beispiel einher mit ausgiebigem Alkoholkonsum zu bestimmten Gelegenheiten und dem berühmten „Schwarzen Humor“.

Den Humor verstehen wir Deutschen vielleicht nicht immer, doch die meisten lieben und bewundern ihn. Die Alkoholexzesse werden aus deutscher Sicht allerdings eher distanziert betrachtet. „Dass man sich dann so sehr daneben benehmen muss – und das auch noch mit Arbeitskollegen.“, so heißt es dann oft. Doch der Brite trennt nicht so stark wie wir Deutschen zwischen Privat- und Berufsleben. Ein professionelles Auftreten mit Geschäftspartnern und Kollegen muss nicht auch beim gemeinsamen Pubbesuch gewahrt bleiben. Hier kann man sich einfach mal gehen lassen. Und am nächsten Morgen ist im Job alles wieder beim Alten – von Peinlichkeit keine Spur. Die ritualisierte Regelverletzung ist eben auch traditionell in der britischen Gesellschaftlich akzeptiert.

 

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