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Interkulturelle Kommunikation für Deutsche: “Die sind ineffizient!”

Wertequadrat zur Konfliktentschärfung und Weiterentwicklung in interkulturellen Situationen

Interkulturelle Kommunikation für Deutsche – was soll das bedeuten? Bestimmte Werte sind im Kern jeder Kultur verankert. Bessere interkulturelle Einsichten erhalten Deutsche zum Beispiel über das Wertequadrat. Kommunikationsprofis ist das Wertequadrat aus den Büchern von Friedemann Schulz von Thun schon lange ein Begriff.

Schulz von Thun betont, dass ein positiver Wert immer in Balance mit dem positiven Gegenwert stehen sollte. Diese Sichtweise hilft uns auch ungemein bei der interkulturellen Kommunikation. Nachfolgend wird an Beispielen gezeigt, welche Werte die interkulturelle Kommunikation beeinflussen und wie Deutsche sich interkulturell und persönlich weiterentwickeln können.

Wertequadrat-Beispiel

Ein von Schulz von Thun mehrfach angeführtes einfaches Beispiel ist folgendes:

Wertequadrat - allgemeines Beispiel

Jeder positive Wert (Sparsamkeit oder Großzügigkeit) kann bei Übertreibung zu einer negativen Eigenschaft werden (entwertende Übertreibung). Übertriebene Sparsamkeit wird so zu Geiz und übertriebene Großzügigkeit zur Verschwendung.

Diese Sichtweise hilft uns, dem anderen nicht vorschnell „Verschwendung“ oder „Geiz“ vorzuwerfen und auch immer den guten Kern dieser Eigenschaft im Blick zu behalten. Das kann Wertekonflikte entschärfen und klären.

Gleichzeitig eröffnet uns diese Sichtweise auch Entwicklungschancen hin zum positiven Gegenwert. Wenn ein Mensch also zum Geiz neigt, wäre es für ihn eine positive Entwicklung, wenn er auch die Großzügigkeit in sich integrieren könnte. Bei gleichzeitiger Beibehaltung seiner Sparsamkeit. Hier wird das Wertequadrat also zum Entwicklungsquadrat. Wie Führungskräfte das Wertequadrate in Mitarbeitergesprächen nutzen können lesen Sie hier: Konstrukive Kritik geben

Schulz von Thun sagt aber klar, dass das angepeilte Ideal nicht statisch in der Mitte zwischen Sparsamkeit und Großzügigkeit liegt, sondern je nach Situation dynamisch zwischen den beiden positiven Werten schwankt.

Was bedeutet das alles nun für die interkulturelle Kommunikation?

Wertequadrat für die interkulturelle Kommunikation

Interkulturelle Situationen sind besonders herausfordernde Situationen, da der situationsbedingte Idealwert oft von Kultur zu Kultur unterschiedlich empfunden wird. Schauen wir uns das mal an der uns Deutschen so eigenen stark ausgeprägten Sachorientierung im Beruf an:

Wertequadrat Beziehungsorientierung Sachorientierung in interkulturellen Situationen

Sowohl die Beziehungsorientierung als auch die Sachorientierung sind positive Werte. Oft werden sie jedoch von Vertretern unterschiedlicher Kulturen jeweils entwertet. Der Deutsche empfindet den beziehungs­orientierten Brasilianer oder Inder als ineffizient, während der Brasilianer oder Inder den sachorientierten Deutschen als respektlos und unhöflich betrachtet.

Die Entdeckung des positiven Gegenwerts in uns selbst und die stückweise Annäherung zur anderen Kultur erweitert in interkulturellen Situationen unsere Flexibilität. Unser Verhaltensrepertoire wird größer. Erworbene interkulturelle Kompetenz ist somit immer auch ein Stück weit Persönlichkeitsentwicklung.

In interkulturellen Situationen heißt das für uns Deutschen, dass wir neben der Sachorientierung, die uns zu eigen ist, auch eine Beziehungsorientierung entwickeln und in uns integrieren sollten. Denn viele Kulturen, mit denen wir Deutschen es beruflich zu tun haben, sind beziehungsorientierter als wir.

Interkulturelle Kommunikation für Deutsche: 5 Tipps

Um stärker auch beziehungsorientiert mit anderen Kulturen zu kommunizieren, hier ein paar Tipps:

  1. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihre Kommunikationspartner auch persönlich kennenzulernen, z. B. beim ausgiebigen Mittag- oder Abendessen.
  2. Akzeptieren Sie, dass in vielen anderen Ländern das Private und Persönliche auch im Arbeitsalltag wichtig ist und geben Sie auch etwas Privates von sich selbst preis.
  3. Kommen Sie in Gesprächen nicht sofort zum Punkt, sondern machen Sie Smalltalk vorweg.
  4. Schreiben Sie auch E-Mails mit einer persönlichen Note, indem Sie kurz etwas über sich persönlich erzählen und/oder sich nach dem Befinden des anderen erkundigen.
  5. Seien Sie sehr vorsichtig mit Kritik. Kritik wird in vielen anderen Ländern noch persönlicher genommen als in Deutschland. Außerdem wird sie oft sehr indirekt kommuniziert.
Literatur:
Schulz von Thun, F.: Miteinander Reden 2, Stile, Werte und Persönlichkeitsentwicklung, Reinbek bei Hamburg, 2009 (1989)
Kumbier, D., Schulz von Thun (Hg.): Interkulturelle Kommunikation: Methoden, Modelle, Beispiele, Reinbek bei Hamburg, 2009 (2006)