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Sprachbarrieren in Telefon- und WebkonferenzenWie so oft nach unserem wöchentlichen Online-Teammeeting bekam ich eine Nachricht von meiner italienischen Kollegin. Sie war sich nicht sicher, ob sie alles richtig verstanden hatte und wollte sich bei mir noch einmal rückversichern.

Sie sprach zwar das schlechteste Englisch in unserem internationalen Team. Doch ganz ehrlich:

Es war auch für mich nicht immer einfach, alles zu verstehen, was unser Teamleiter in seiner Muttersprache Englisch vortrug. Manchmal bezog er sich auf Gegebenheiten in USA, mit denen ich nichts anfangen konnte. Und schließlich fehlten bei den Webmeetings, wie wir sie wöchentlich praktizierten die Botschaften, die sonst über die Körpersprache transportiert werden, wie z. B. Mimik und Gestik. So blieb alles reduziert auf die Stimme. Seine Webcam teilte nämlich niemand.

Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Englisch-Muttersprachler in unserem Team sich Mühe geben würden, verständlich zu sprechen. Sie, die meist keine Fremdsprache auch nur annähernd sprachen, erwarteten von uns Nicht-Muttersprachlern ein nahezu perfektes Englisch. Woher sollten sie auch wissen, wie schwierig es manchmal ist, trotz passabler Englischkenntnisse, alle Nuancen richtig zu interpretieren und sich entsprechend gut auszudrücken?

Wie konnte es nun aber dazu kommen, dass die Italienerin nicht immer sofort während des Webmeetings nachfragte, wenn sie sich doch nicht sicher war, ob sie alles richtig verstanden hatte? Wollte sie sich keine Blöße geben?

Was läuft falsch, wenn Teammitglieder in internationalen Telefon- oder Webkonferenzen es nicht wagen nachzufragen? Wenn etwas falsch verstanden wird und dieses Missverständnis spät – gar zu spät – aufgedeckt wird? Wie viel Zeit geht so verloren? Und wie kann man das verhindern? Heißt das nicht auch, dass der Teamleiter letztendlich oft derjenige ist, der gar nicht mitbekommt, wenn etwas schiefläuft oder missverständlich ist?

Meine persönlichen Tipps für Webmeetings in internationalen virtuellen Teams:

  1. Halten Sie Muttersprachler stets an, deutlich zu sprechen.
  2. Schaffen Sie ein vertrauensvolles Klima, in dem jedes Teammitglied Verständnisfragen stellen kann.
  3. Lassen Sie sich als Teamleiter bei wichtigen Aufgaben von jedem Einzelnen bestätigen, dass es dazu keine weiteren Fragen mehr gibt. Und das natürlich nicht mit einem knappen „OK? Did you get this all?“ sondern besser offen mit „What questions have you got with regard to this subject/task?“
  4. Das Verteilen einer Agenda rechtzeitig vor dem Meeting hilft klarzumachen, worum es bei dem Webmeeting gehen soll. Teammitglieder können sich gezielt darauf vorbereiten, auch sprachlich.
  5. Fassen Sie als Moderator lange Redebeiträge von Mitarbeitern zusammen, um ein gemeinsames Verständnis sicherzustellen.
  6. Verteilen Sie nach dem Meeting ein Protokoll mit den wichtigsten Punkten, die besprochen wurden. Sogenannte „Action Items“ können so noch einmal deutlich gemacht und klar zugeordnet werden. Diese Aufgabe können Sie als Teamleiter auch sehr gut delegieren.

Eigentlich ganz einfach, oder?

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