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Missverstaendnisse und Konflikte in virtuellen TeamsKonflikte in virtuellen Teams entstehen schnell und behindern eine effektive Kommunikation und Zusammenarbeit. Meistens werden sie unter den Teppich gekehrt. Mit großen Folgen fürs Team und das Unternehmen.

Nachfolgend eine kleine wahre Begebenheit aus einem europäischen virtuellen Team. Die Namen der Beteiligten wurden selbstverständlich geändert.

Die wahre Geschichte eines Konflikts im virtuellen Team

Einige Jahre hatten sie schon lose in einer Abteilung nebeneinander her gearbeitet, ohne sich jemals persönlich kennengelernt zu haben. Sehr viele Berührungspunkte gab es erst auch nicht, außer dass sie einen gemeinsamen Vorgesetzten hatten. Seit einem Jahr aber hatten sie nun auch gemeinsame Ziele und mussten wirklich miteinander arbeiten, Termine abstimmen, Arbeiten koordinieren und sich gegenseitig informieren, um wirklich erfolgreich zu sein. Das Team war in Europa verstreut.

Eines Tages, als Martina – die Deutsche im Team – sich wieder einmal über ein paar Sachen im Unternehmen aufregte und mit jemandem sprechen wollte, schickte sie eine Chat-Message an ihre französische Kollegin Caroline, die gerade auch online war. Kurz tauschten sie sich per Chat über ein paar Sachen aus, die sie beide schwierig fanden bei der Bewältigung ihrer Aufgaben. Und dann gab Caroline Martina Tipps, wie sie ihre Arbeit doch am besten tun sollte.

Martina war außer sich. Hatte sie nach Ratschlägen gefragt? Nein, gewiss nicht! Eigentlich hatte sie nur ein bisschen jammern wollen und in Martina eine Gleichgesinnte gesucht. Schließlich hatte niemand von ihren lokalen Kollegen in Deutschland diese Probleme. Nur sie und der Rest ihres virtuellen Teams. Wie kam Caroline dazu, ihr zu sagen, wie sie ihre Arbeit machen sollte? Carolines Vorschläge gefielen Martina auch nicht. Sie passten nicht zu Martinas Art zu arbeiten. Sie fühlte sich irgendwie zurechtgewiesen, untergeordnet. Dabei war sie sogar älter und hatte schon deshalb mehr Erfahrung als Caroline! Was bildete sich Caroline überhaupt ein!

Martinas dann ziemlich kurze Antwort im Chat lautete wie folgt: „Sorry, but I am not a junior. I have been working in this area for many years and know how to do my job! “ Caroline verstand die Welt nicht mehr. Martina hatte sie doch eben um Rat gefragt! Warum vergriff sie sich jetzt so im virtuellen Chat-Ton und spielte die beleidigte Leberwurst?

Seitdem vermieden beide die direkte Kommunikation miteinander, wann immer es ging. Lieber kontaktierte Martina ihre anderen in Europa verteilten Kollegen als Caroline. Viele wertvolle Informationen wurden nicht weitergetragen. Und wenn ihr englischer Kollege sich über Carolines Art bei Martina beschwerte, pflichtete Martina ihm schnell bei.

Konfliktursachen in virtuellen Teams: persönlich oder kulturell?

War das jetzt ein kulturelles oder ein persönliches Problem? Oder eine Mischung aus beidem? Schwer zu sagen. Ist Jammern ein typisch deutsches Phänomen und Caroline hatte fälschlicherweise wirklich gedacht, dass Martina sie um Rat fragte? Führte Carolines energische Art und die Tatsache, dass sie sich auf Englisch nicht so gewählt ausdrücken konnte, dazu, dass ihr Rat auf Martina wie ein Schlag ins Gesicht wirkte? Und welchen Anteil an diesem Missverständnis hatte die Tatsache, dass beide miteinander chatteten und nicht telefonierten, dass sie sich also weder sehen noch hören konnten?

Auf jeden Fall hatte die Tatsache, dass die beiden sich vorher nie kennengelernt hatten, sehr zu den Missverständnissen beigetragen.

Die Kosten von Konflikten in virtuellen Teams

Wie viel kosten solche Konflikte in virtuellen Teams ein Unternehmen? Schwer zu berechnen… In diesem speziellen Fall ein Jahr unproduktive Zusammenarbeit zwischen zwei Teammitgliedern. Von der Demotivation Carolines ganz zu schweigen, die sich von Martina und dem englischen Kollegen nicht verstanden fühlte.

Und was hatte der Teamleiter von den Unstimmigkeiten mitbekommen? Genau: gar nichts. Weder Martina noch Caroline hatten ihren Vorgesetzten involviert. Warum auch? Das war ja nur eine kleine persönliche Angelegenheit! Dass diese letztendlich zu einem beträchtlichen Produktivitätsverlust für das virtuelle Team führte, steht auf einem anderen Blatt.

Und genau das ist es, was Spitzenteams von mittelmäßigen Teams unterscheidet: die Zusammenarbeit, getragen von Vertrauen und persönlichen Beziehungen.

Seit Watzlawick und Schulz von Thun wissen wir zumindest theoretisch, dass die Beziehungsebene sehr wichtig ist für die Kommunikation. Wenn diese nicht stimmt, kommt es zu Missverständnissen und schlechter Zusammenarbeit.

Doch wie fördert man die Beziehungsebene in international verteilten virtuellen Teams, um unnötige Konflikte zu vermeiden? Ein paar Tipps finden Sie hier: Die Beziehungsebene in virtuellen Teams stärken.

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