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Der Begriff des hybriden Teams ist seit einer Weile in aller Munde. Spätestens seit der teilweisen Rückkehr von Teammitgliedern ins Büro, während andere seit der Corona Pandemie zum größten Teil im Homeoffice verbleiben, spricht man weniger von rein virtuellen und mehr von hybriden Teams.

Sind hybride Teams neu?

Seit 2010 trainiere ich Führungskräfte und Teams zu den Themen virtuelle Führung und Zusammenarbeit. Hybride Teams gab es schon lange vor Corona. Auch früher gab es Unternehmen, bei denen Teammitglieder auch vom Homeoffice aus arbeiten durften. Vertriebsteams sind oft hybride Teams. Projektteams mit externen oder outgesourcten Dienstleistern sind hybride Teams. Und auch in internationalen Teams kennt man die hybride Zusammenarbeit seit langem. Das alles war schon immer ein Thema in meinen Trainings zur virtuellen Führung und zu virtuellen Teams.

Nun jedoch scheint die ganze Welt gleichzeitig hybrid zu werden – ausgelöst durch die Corona Pandemie und die durch Lockdowns erzwungene Arbeit im Homeoffice von Millionen von Menschen, für die vorher Homeoffice oder Mobilarbeit gar nicht in Frage kam.

Hybride Arbeitszeitmodelle

Ein Großteil der Menschen hat an der Arbeit im Homeoffice während der Pandemie Gefallen gefunden. Das Undenkbare hat letztendlich doch gut geklappt. Die Produktivität ist nicht gesunken – wie von vielen befürchtet.

Und doch gibt es auch viele, die sich wieder ins Büro zurücksehnen, sich auf den direkten Austausch mit den Kolleg:innen freuen. Oder jene, die kaum die passenden Räumlichkeiten für ein gut funktionierendes permanentes Homeoffice haben.

Und genau in diesem Dilemma präsentieren sich neue hybride Arbeitszeitmodelle als Allheilmittel. Alle Mitarbeitenden dürfen z. B. an wenigstens zwei oder drei Tagen die Woche mobil arbeiten. Damit die Kommunikation nicht leidet, sollen sie den Rest der Zeit allerdings im Büro sein. Oder es wird den Mitarbeitenden komplett freigestellt, ob sie im Büro, mobil oder flexibel arbeiten wollen.

Laut einer Studie des Fraunhofer-Institus für Arbeitswissenschaft und Organisation IAO von Ende 2021 können in ca. 61 Prozent der Unternehmen die meisten Büro-Beschäftigten auch nach der Pandemie mobil arbeiten. Weitere gut 20 Prozent planen das für die nahe Zukunft.

Was bedeutet „hybrides Team“ genau?

Eine allgemein verbindliche Definition von einem „hybriden Team“ gibt es nicht wirklich. Unter einem hybriden Team verstehen wir hier ein Team, das aus Teammitgliedern besteht, die einerseits permanent oder regelmäßig an einem anderen Standort sitzen, zum Beispiel im Homeoffice. Während andererseits Teammitglieder permanent oder regelmäßig gemeinsam in einem Büro sitzen. Ein hybrides Team arbeitet also zum Teil klassisch und zum Teil virtuell miteinander.

Der Begriff „hybrides Team“ ist schön plakativ, hat jedoch aus meiner Sicht auch eine etwas ungünstige Konotation:

Der Begriff hybrid bedeutet laut Wikipedia etwas Gebündeltes, Gekreuztes oder Vermischtes. Es handelt sich meistens um eine Kombination von getrennten unterschiedlichen Systemen. Und in dem „getrennten“ und „unterschiedlichen“ sehe ich genau das Problem.

Wenn wir von „hybriden Teams“ sprechen, teilen wir das Team bewusst oder unbewusst in zwei Teile: Nämlich auf der einen Seite dem Teil des Teams, das ganz normal physisch an einem Ort zusammenarbeitet. Und auf der anderen Seite dem Teil des Teams, das hauptsächlich virtuell mit allen Teammitgliedern zusammenarbeitet, da es mit keinem anderen Teammitglied an einem Standort sitzt.

„Am Lagerfeuer“ oder „Remote-Mitglied“?

Die Bezeichnung „hybrides Team“ betont also die beiden unterschiedlichen Arbeitsweisen und generell die Unterschiede zwischen den Teammitgliedern, die in einem Büro zusammensitzen und den anderen Teammitgliedern. Nennen wir diese beiden Teile des hybriden Teams doch hier der Einfachheit halber „die am Lagerfeuer“ und „die Remote-Mitglieder“. Am Lagerfeuer ist es schön warm und kuschelig. Man sitzt zusammen und tauscht sich ungezwungen aus. Für die „Remote-Mitglieder“ kann es dagegen schon ziemlich kalt zugehen.

Es hört sich also ein bisschen so an, als ob wir beim hybriden Team ein normales Team mit einem virtuellen Team kombinieren. Genau wie bei Hybridautos. Doch sind nicht die am Lagerfeuer genauso Teil eines virtuellen Teams wie die Remote-Mitglieder? Schließlich sollten auch sie gleichermaßen und natürlich virtuell mit den Remote-Mitgliedern zusammenarbeiten. Wenn sich die am Lagerfeuer als ein ganz normales Team begreifen, das täglich zusammen Mittagessen gehen kann, ist bereits etwas schiefgelaufen.

Natürlich haben die am Lagerfeuer, was die Zusammenarbeit mit den anderen am Lagerfeuer angeht, gewisse Vorteile in der Kommunikation, da sie physisch in einem Büro sitzen. Um das Lagerfeuer herum kommuniziert es sich einfacher. Sie deswegen aber zu einem eigenständigen Teil des Teams zu machen, wäre fatal. Denn genau das ist ja die große Gefahr bei hybriden Teams, besonders wenn manche Teile des Teams permanent „remote“ arbeiten. Auch die am Lagerfeuer sind nur ein Teil eines virtuellen oder meinetwegen hybriden Teams. Ein Teil eines Ganzen. Und keine eigenständige Einheit.

Hybride Teams als Sonderfall von virtuellen Teams

Ein Team ist aus meiner Sicht in dem Moment bereits ein virtuelles Team, wenn manche Teammitglieder nicht gemeinsam mit in dem Büro sitzen, in dem andere Teammitglieder zusammensitzen. Ein hybrides Team ist also ein Sonderfall eines virtuellen Teams. Ich habe sie früher der Einfachheit halber einfach virtuelle Teams genannt und dann mit meinen Teilnehmenden im Training sauber analysiert, was für ein virtuelles Team sie denn genau haben. Denn es gibt ganz verschiedene virtuelle und eben auch hybride Teams. Die genaue Teamzusammensetzung beeinflusst auch die Herausforderungen und die verdeckten Machtverhältnisse im Team.

Wie würden Sie eigentlich ein Team nennen, bei der ein Teammitglied in Berlin arbeitet, eines im mehr oder weniger permanenten Homeoffice im Berliner Umland, eines in München, eines in Mailand, eines in Paris und zwei Teammitglieder in Prag? Ist es dann auch ein hybrides Team, da zwei Teammitglieder von sieben zusammen in einem Büro arbeiten? Oder doch eher ein „normales“ virtuelles Team? Sie merken schon, die Grenzen sind fließend.

Worin also unterscheiden sich hybride Teams?

Grad der Virtualität & gemeinsame Lagerfeuermomente im Team

Der Grad der Virtualität ist ein wichtiges Unterscheidungskriterium. Wie oft sehen sich die Teammitglieder in einem hybriden Team persönlich, also face-to-face? Gibt es einmal oder sogar mehrmals die Woche Zusammenkünfte, bei denen alle Teammitglieder gemeinsam am Lagerfeuer sind? Oder einmal im Monat? Einmal im Jahr? Oder gar nie?

Je höher der Grad der Virtualität in einem hybriden Team, desto größer die Herausforderungen und desto mehr ähneln die Herausforderungen in der Zusammenarbeit denen von rein virtuellen Teams. Nur haben hybride Teams die zusätzliche Schwierigkeit, dass es am Lagerfeuer einfach immer wärmer ist und dass die Remote-Mitglieder vielleicht von denen am Lagerfeuer manchmal vergessen werden. Sie kennen ja das Sprichwort: „Aus den Augen, aus dem Sinn“.

Permanente oder temporäre Lagerfeuer- und Remote-Mitglieder?

Je permanenter manche Teammitglieder am Lagerfeuer arbeiten, während andere permanent bzw. zu einem großen Teil der Woche remote arbeiten, desto größer die Herausforderung, sich als ein gemeinsames Team zu fühlen.

Wenn hingegen alle Teammitglieder an zwei unterschiedlichen Tagen die Woche mobil arbeiten und den Rest der Woche im Büro, dann sehen sich in der Regel alle mal in unterschiedlichen Konstellationen. Alle kennen dann die Fallstricke der Remote-Zusammenarbeit als auch die Freuden der Zusammenarbeit am Lagerfeuer. Sie können keiner bestimmten Teilgruppe zugeordnet werden und die Wahrscheinlichkeit des Ausgrenzens ist viel kleiner. Kleine vorübergehende Ungleichbehandlungen oder Ungerechtigkeiten gleichen sich schnell automatisch aus.

Herausforderungen der hybriden Zusammenarbeit

Was also sind die Herausforderungen von hybriden Teams? Hier habe ich die wichtigsten Punkte aus meiner Sicht zusammengefasst:

  • Teamspirit herstellen und aufrechterhalten – trotz unterschiedlicher räumlicher Distanz
  • Lagerbildung vermeiden
  • Verdeckte Machtfaktoren aufdecken und ausgleichen
  • Den Kommunikationsfluss aufrechterhalten
  • Einen digitalen informellen Kommunikationskanal schaffen
  • Mit mobilen „Fackeln“ die Wärme des Lagerfeuers zu den Remote-Mitgliedern transportieren
  • Neue Kommunikationstools effektiv einsetzen
  • Informationsvorteile ausgleichen
  • Fairness sicherstellen
  • Frustration in hybriden Teammeetings vermeiden – alle ins Boot holen
  • Etablierung einer integrativen hybriden Meetingkultur
  • Nicht immer nur den einfachsten und naheliegendsten Kommunikationsweg nehmen

Und was bedeutet hybride Führung?

Hybride Führung ist das Führen eines hybriden Teams. Und das beinhaltet damit das klassische Führen von Mitarbeitenden vor Ort und das parallele oder zeitversetzte Führen auf Distanz. Entweder von anderen Mitarbeitenden oder von denselben Mitarbeitenden, die mal im Büro, mal mobil oder an anderen Standorten arbeiten. Impulse zur hybriden Führung sind somit fast identisch zu denen für die virtuelle Führung.

Nur spielen die Themen Fairness und „hidden Bias“ in hybriden Teams meist eine noch stärkere Rolle. Und natürlich ist das kompetente und integrative Leiten von hybriden Teammeetings ein wichtiger Schlüsselfaktor, besonders dann, wenn immer wieder dieselben Teammitglieder vor Ort oder online dabei sind. Da die Teammeetings ein wichtiger Touchpoint der virtuellen und hybriden Führung sind, kann man hier besonders viel richtig oder auch falsch machen.

Unterstützung für Ihre hybriden Teams benötigt?

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    1,5 Tage Live-Training (hybrid und online) und zusätzliche Online Selbstlernphase
  • Hybride Meetingkultur und Meetingmoderation
    1 Tag hybrides Training mit Teilnehmenden vor Ort und Online Teilnehmenden

Sie können mich jetzt noch kontaktieren für einen Termin ab April 2022.

Kurz-Update


Ja, ich möchte ein- bis zweimal im Jahr ein Update von Gudrun Höhne – the human factor erhalten. Mit aktuellen Terminen & Trends sowie Tipps & Tricks zur virtuellen, hybriden und interkulturellen Führung und Zusammenarbeit.